3D-Modellierung ist nicht automatisch BIM: Das ist der entscheidende Unterschied

In der Praxis erlebe ich immer wieder, dass BIM mit „in Revit ein 3D-Modell bauen“ gleichgesetzt wird. Doch ein dreidimensionales Gebäudemodell ist zunächst einmal genau das: ein digitales Abbild des Gebäudes.

BIM beginnt dort, wo die reine 3D-Modellierung aufhört. Entscheidend wird es, wenn das Modell mit relevanten Informationen angereichert und für konkrete Anwendungsfälle genutzt wird.

„BIM beginnt dort, wo die reine 3D-Modellierung aufhört.“

1. Was ist ein 3D-Modell?

Ein digitales Abbild der Geometrie eines Gebäudes. Wände, Türen, Fenster, Decken usw. können räumlich dargestellt werden. Aber allein dadurch entsteht noch kein BIM-Prozess.

2. Was macht aus einem 3D-Modell ein BIM-Modell?

Nicht nur die Dreidimensionalität ist entscheidend, sondern zusätzlich die Information und ihre Nutzung.

Beispiel anhand verschiedener Bauteile:

Bauteil3D-ModellBIM-Modell
WandGeometrieMaterial, Aufbau, Brandschutz, Schallschutz, Wärmeschutz, tragend oder nicht tragend, Mengen und weitere projektrelevante Eigenschaften und Informationen
TürenGeometrieMaterial, Typ, Brandschutz, Schallschutz, Einbruchsschutz, Klimaklasse, Farbe, Zarge, Türnummer, Schließer, Schloss, Türdrücker uvm.
DeckeGeometrieMaterial, Menge, Typ, Schallschutz, Wärmeschutz

Mehr Informationen machen das Modell nicht automatisch besser. Entscheidend ist, welche Informationen für die vorgesehenen Anwendungsfälle benötigt werden.

3. Der wichtigste Unterschied: Wofür wird das Modell verwendet?

Ein BIM-Modell kann beispielsweise Grundlage sein für:

  • Mengenermittlung
  • Ausschreibung
  • Bauteillisten
  • Kollisionsprüfung
  • Flächenberechnungen
  • Koordination
  • IFC-Austausch
  • Facility Management

Erst wenn klar ist, wofür das Modell verwendet werden soll, kann entschieden werden, welche Informationen benötigt werden und wie diese modelliert werden.

4. Ein praktisches Beispiel

Das Modell kann geometrisch sauber und technisch ordentlich aufgebaut sein. Wenn aber später Wohnflächen daraus ermittelt werden sollen und der Innenputz bei der Modellierung nicht berücksichtigt wurde, erfüllt das Modell seinen vorgesehenen Zweck trotzdem nicht richtig.

Das Problem war nicht die 3D-Modellierung. Das Problem war, dass der spätere Anwendungsfall bei der Modellierungsstrategie nicht ausreichend berücksichtigt wurde.

Hier noch weitere Beispiele:

Wenn ich aus dem Modell für die Ausschreibung Mengen und Massen ermitteln möchte, ist es wichtig das Material zu hinterlegen und genau zu modellieren. 

Oder wenn ich aus dem Modell eine Fensterliste generieren möchte, ist es wichtig die entsprechenden Parameter an die Fenster zu schreiben. 

5. BIM ist deshalb mehr als Software

Revit ermöglicht BIM-orientiertes Arbeiten, aber Revit zu benutzen bedeutet nicht automatisch, BIM zu betreiben.

Du kannst in Revit ein vollkommen normales 3D-Modell bauen. BIM entsteht durch die dahinterliegende Methode: Informationsanforderungen, Prozesse, Zusammenarbeit, Struktur und Nutzung der Daten.

6. Woran erkenne ich, ob ein Modell wirklich BIM-orientiert aufgebaut ist?

An der Struktur des Modells.

Sie macht sichtbar, wofür das Modell genutzt werden soll, welche Informationen dafür benötigt werden und wie diese Informationen im Modell organisiert sind.

Wofür soll das Modell genutzt werden?

Welche Informationen werden dafür benötigt?

Wie müssen diese Informationen modelliert bzw. hinterlegt werden?

Können die benötigten Informationen anschließend zuverlässig ausgewertet oder weitergegeben werden?

Ein 3D-Modell zeigt mir, wie ein Gebäude aussieht.

Ein BIM-Modell soll mir zusätzlich ermöglichen, mit den darin enthaltenen Informationen zu arbeiten.

Deshalb beginnt BIM für mich nicht mit der Frage:

„Wie detailliert kann ich modellieren?“

Sondern mit der Frage:

„Was soll dieses Modell später leisten?“

Wenn du genauer wissen möchtest, warum der spätere Nutzen eines BIM-Modells die Modellierungsstrategie bestimmen sollte, habe ich dazu auch ein Video erstellt.

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